Mittwoch, 30. März 2011

Segen und Fluch der Spontaneität

Ich habe nicht die geringste Ahnung, wohin mich dieses Projekt führen wird. Ich weiß nicht einmal, ob es angesichts all meiner anderen Verpflichtungen überhaupt Sinn macht, nun damit zu beginnen. Doch nachdem ich heute auf die "Aktion deutscher Film" (alles weitere dazu hiergestoßen bin, konnte ich der Versuchung einfach nicht widerstehen.

Der deutsche Film hat immer schon einen ganz besonderen Reiz auf mich ausgeübt. Gerade die unterschätzten oder schlicht ignorierten Phasen des deutschen Film- und Kinogeschichte haben mich immer wieder in ihren Bann gezogen. Der so oft geschmähte Film der 50er Jahre war eben nicht nur "Opas Kino" ... im Gegenteil: Gerade in den Jahren nach dem Krieg, als das Wirtschaftswunder seinen Anfang nahm, scheint beinahe alles möglich gewesen zu sein. Wer das Glück hatte, 1997 in der G.W. Pabst-Retrospektive der Berlinale dessen Spätwerk zu sehen, weiß, wovon ich hier spreche. Filme wie Geheimnisvolle Tiefe, Das Bekenntnis der Ina Kahr oder sein mehr als nur bizarrer Schwanengesang Durch die Wälder, durch die Auen eröffnen einen anderen Blick auf eine Zeit, die mehr verdient als nur Klischees und Vorurteile.

Aber es sind nicht nur die 50er Jahre, die es gilt, wieder- oder auch gleich neu zu entdecken. Der deutsche oder genauer noch der deutschsprachige Film hat in jedem Jahrzehnt bemerkenswerte, übersehene und vergessene Werke hervorgebracht. Zu einigen von ihnen werde ich hier in Zukunft die eine oder andere Anmerkung veröffentlichen...

Kommentare:

  1. Hallo Sascha, Dein Blog klingt sehr spannend und ich habe ihn bei meinem Blog soeben 'reingerollt ;-)
    Entdeckung von Neuem in Alten, Ueberprüfen von Vorurteilen und dagegen anschreiben - genau das ist auch für mich Thema, wenn ich (ältere) Filme gucke. Sio bin ich auf Deine Beiträge gespannt, die ich ab sofort mitverfolgen möchte.

    Und: Viel Freude und Spass mit Deinem Blog!

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  2. Hallo gabelingeber, danke für Deinen Kommentar. Ich habe Deinen Blog auch gerade 'eingerollt'... Der erinnert mich übrigens daran, dass ich mich endlich mal intensiver mit Stummfilmen beschäftigten sollte, vor allem mit denen, die nicht so berühmt sind. Bei der Erstellung meine Top Ten habe ich wirklich eine Zeit lang mit mir gekämpft, weil ich eigentlich wenigstens einen Stummfilm nennen wollte. Aber am Ende konnte ich mich nicht entscheiden. Mein Lieblings-Murnau ist "City Girl", also ein amerikanischer Film. Mit Lang habe ich irgendwie grundsätzlich Probleme, wobei "Spione" schon grandios ist. Ja, und dann gibt es noch meinen Liebling unter den deutschen Stummfilmen: G.W. Pabsts "Abwege". Doch so sehr ich diesen unbekannten und auch ein wenig abseitigen Film schätze, "Geheimnisvolle Tiefe" liebe ich eben noch inniger.

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  3. Tja, als ich das heute morgen gelesen habe, bin ich erstmal aus allen Wolken gefallen. Jetzt schubse ich schon Bloggründungen an? Hui. Und dann noch dieser erröten lassender erste Post! Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Cool! :D
    Und ich hoffe, daß du dem vielversprechenden Einstieg in die Aktion deutscher Film auch noch viele Inspirationen fließen lassen wirst. Das wird noch ein ganz exquisiter Club, habe ich so das Gefühl.

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  4. Auch an dieser Stelle noch einmal vielen Dank für die herzliche Aufnahme in den Kreis der "Aktion deutscher Film". Ich hoffe einmal, dass ich dem Projekt die Zeit widmen kann, die es verdient. Zumindest habe ich nun einen sehr guten Grund, all die deutschen Filme zu gucken, die bei noch ungesehen auf DVD herumliegen.

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  5. Da es mir irgendwie unmöglich scheint als "normaler" Besucher auf diesem Blog zu kommentieren, habe ich eine alte Bloggeradresse ausgegraben. Bin aber eigentlich der "Sano" von Eskalierende Träume, der ebenfalls bei der DÖS-Aktion mitmacht.

    Ersteinmal: Super, dass jemand eigens einen Blog zum deutschsprachigen Film aufmacht, um bei der Aktion mitzumachen. Es klingt schon in deinem Eingangsposting so, als ob dich persönlich vieles im deutschsprachigen Film zu begeistern vermag!. :-)

    Die späten Pabstfilme klingen nach deinem kurzen Appetitanreger nach kurzer Recherche äußerst spannend. Hatte mir mal vor Jahren einen kleinen Vermerk im hinterkopf gemacht, "später Pabst wohl zu vernachlässigen", nachdem ich in den einschlägigen "Filmgeschichten" immer nur wenig oder negatives darüber gelesen habe. Aber überhaupt scheint der deutsche Nachkriegsfilm - wie auch der deutsche Film während der Naziherrschaft - sträflich vernachlässigt, und stellt auch bei mir einen blinden Fleck dar. Aber mit einigen DVD-Editionen in den letzten Jahren bessert sich die Lage gerade, da ich (in dieser Hinsicht wohl leider) schon seit Jahren keinen Fernsehanschluß mehr besitze, um solch alte Schätze aufnehmen zu können.

    Von den späten Pabst-Werken bin ich jetzt unsicher, ob es davon in Deutschland überhaupt noch von allen kopien gibt. Weißt du noch, was für kopien damals auf der Berlinale liefen?

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  6. Ich habe die Einstellungen bezüglich der Kommentare gerade geändert. Jetzt kann wirklich jeder hier Kommentare hinterlassen. Aber eigentlich hätte es auch vorher über eine Wordpress-Identität möglich sein müssen...

    Die späten Pabst-Filme liefen damals alle in normalen 35mm-Kopien (das waren noch Zeiten :D). Selbst die beiden in Italien gedrehten Filme waren zu sehen, allerdings nur mit italienischen Kopien ohne Untertitel, deswegen und auch aus Zeitgründen (sie waren morgens parallel zum Wettbewerb angesetzt) habe ich sie damals nicht gesehen.
    Was die Qualität der Kopien betrifft, kann ich kaum noch etwas sagen. Ich weiß nur noch, dass die Kopie von "Geheimnisvolle Tiefe" ganz neu war.

    Eigentlich sollte einer Veröffentlichung der späten Pabst-Werke auf DVD nichts entgegenstehen ... außer ihrem Ruf. Was Du bisher gehört und gelesen hast, deckt sich tatsächlich auch mit der Meinung vieler damaliger Retro-Besucher. Die deutschen 50er Jahre Filme liefen damals immer in den Spätvorstellungen und waren deutlich schlechter besucht als die Stummfilme, was mich selbst heute noch mit Trauer erfüllt. Und ich kann mich noch an den Abend erinnern, an dem "Durch die Wälder durch die Auen" lief, den ich zusammen mit einem Freund geguckt habe. Als wir aus dem Saal kamen und uns voller Begeisterung über diesen wahrhaften psychedelischen Film unterhielten, wurden wir tatsächlich von anderen Kinobesuchern angepöbelt. Die meinten wohl, ihren Frust an uns auslassen zu müssen, wobei ihr ganzes Verhalten nur ihre Vorurteile gegenüber dem 50er Jahre Kino zum Ausdruck brachte.

    Aber wenn man sich mal angeguckt, welche Pabst-Filme es überhaupt auf DVD gibt, kann man sowieso nur verzweifeln. Jenseits der ganz berühmten Filme fehlt so ziemlich alles. Die eine Ausnahme, die dann die Regel bestätigt, ist "Der Schatz". Aber ich warte beispielsweise genauso sehnsüchtig auf den hier schon mehrfach erwähnten "Abwege" wie auf die 50er Jahre Filme.

    Von "Durch die Wälder durch die Auen" gab es übrigens einmal eine VHS. Ich weiß allerdings nicht, ob die noch aufzutreiben ist.

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  7. ABWEGE lief vor einiger Zeit auf arte (und ich hab ihn damals auch gesehen), die Situation ist also nicht hoffnungslos.

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  8. Danke für den Hinweis. Das hatte ich ganz vergessen ... oder besser gesagt: verdrängt, da ich die Ausstrahlung damals übersehen habe.

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  9. Danke für die Einstellungsänderungen. Wordpress hat nämlich irgendwie auch nicht funktioniert...

    Ja, die 90er, als man sich noch sicher sein konnte, im Kino keine DVDs oder mittelmäßige Beamerprojektionen serviert zu bekommen. Bei den italienischen Kopien, könnte so ein Beamer mit (selbst)erstellten digital eingeblendeten Untertiteln heutzutage aber recht zu paß kommen.

    Hmm, vielleicht sind die Kopien ja irgendwo in Österreich oder in der Schweiz zu finden. Apropos "psychedelischer" Film. Ich glaube in Deutschland herrscht da ein arges Vorurteil gegenüber Filmen, die nicht den bürgerlichen Realismus-Begriff bedienen. Und mit der Postmoderne in deutschen Filmen braucht man dann auch gar nicht erst zu kommen (ein weiterer Grund, der gegen die 80er sprechen würde). Und eben als Hauptblockade - wie deine beschriebene Erfahrung nach dem kinobesuch es wohl trifft - die Klischeevorstellungen wie deutsche Filme in den früheren Jahrzehnten "waren" (à la "expressionistischer Film", "Nazifilm", "Heimatfilm", etc.). Oft denke ich hierbei, wenn die Leute nicht wüssten, dass es sich um einen deutschen Film handelt, und die Leute französisch oder italienisch darin sprächen, würde der Blick vielleicht automatisch ein anderer werden. Schon absurd, irgendwie.

    Als ich die Veröffentlichung von DER SCHATZ bemerkte war ich auch ganz baff. Leider wurde das dann aber nicht weitergeführt (also eher unbekanntere VÖs in toller Aufmachung) - und von der Art wie Stummfilme auf dem Heimfilmsektor behandelt werden sollte man lieber gar nicht erst anfangen - es ist schlichtweg zum verzweifeln.

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