Mittwoch, 11. Mai 2011

Ein Lebenszeichen und ein Link

Wie befürchtet bin ich in den letzten Wochen einfach nicht dazu gekommen, mich in Aktion einzubringen. Im Moment fällt einfach zu viel anderes an. Allerdings findet sich seit heute ein von mir verfasstes Special bei filmstarts.de, dass durchaus auch Teil der Aktion deutscher Film sein könnte. Mehr möchte ich dazu im Moment gar nicht sagen.

Freitag, 1. April 2011

Lieber spät als nie...

In meinem Eingangsposting zur "Aktion deutscher Film" hatte ich aus Zeitgründen meine zehn Lieblingsfilme einfach nur aufgelistet, ohne Erklärungen oder Kommentare. Das war letztlich eine recht unglückliche Konstellation, zumal zumindest einige der Filme eher unbekannt sind. Mittlerweile steht schon ein Text zu "Allotria" auf dieser Seite. Nun möchte ich auch die anderen neun Titel ganz kurz vorstellen:

Hotel Sacher (Erich Engel, 1938/39)
Einer dieser Filme aus der Zeit des Dritten Reichs, bei denen ich mich immer wieder frage, wie sie überhaupt entstehen konnten. Der Schatten einer heraufziehenden Katastrophe liegt über dieser Liebes- und Spionagegeschichte, die am Vorabend des Ersten Weltkriegs spielt. Der Blick zurück ist 1938/39 auch ein Blick in die nächste Zukunft. Ein Abgrund tut sich auf, der weit mehr als nur das tragische Liebespaar dieses Films, Sybille Schmitz und Willy Birgel, verschlucken wird. Sybille Schmitz, Fassbinders Veronika Voss, war der rätselhafteste Stern am Himmel der Ufa, schwarz funkelnd, verführerisch, dem Tod geweiht, die Inkarnation einer erotischen Todessehnsucht, wie sie in der Propaganda und auch der Popkultur der Nationalsozialisten so eigentlich gar nicht existieren durfte.

Opfergang (Veit Harlan, 1942-44)
Das Melodrama der NS-Zeit schlechthin. So todessehnsüchtig wie das Dritte Reich zur Zeit seiner Entstehung. Jede Einstellung ist erfüllt von einem dunklen Weltschmerz und ganz tief in der deutschen romantischen Tradition verwurzelt, die dem Tod immer näher als dem Leben stand. Natürlich ist das alles im höchsten Maße politisch, aber Harlan, diese grandiose Symbolist unter den deutschen Filmemachern, komponiert Bilder und Szenen, die einem Sog gleichen. Wer von ihm erfasst wird, für den gibt es kein Halten und kein Entkommen mehr.

Film ohne Titel (Rudolf Jugert, 1947/48)
Nur drei oder vier Jahre liegen zwischen Harlans cineastischer Todessymphonie und Rudolf Jugerts lichter, von Trauer wie von Hoffnung durchwehter Film-im-Film-Komödie. Aber es trennen sie natürlich Welten. Auf den Film des Untergang folgt in meiner ganz persönlichen Geschichte des deutschen Kinos einer des Aufbruchs. Inspiriert von den selbstreflexiven Stücken eines Luigi Pirandello hat Jugert zusammen mit seinem Mentor Helmut Käutner einen postmodernen Film avant lettre gedreht. Nach dem Dunkel der vergangenen Jahre hielt die Moderne Einzug ins deutsche Kino...

Geheimnisvolle Tiefe (G.W. Pabst, 1949)
Ein Film von wahrhaft kristalliner Schönheit. Man kann sich an seinen Bildern schneiden und ist dabei so verzaubert, dass man sogar zu verbluten droht... Auch dieses Melodram ist getränkt in Todessehnsucht. Aber es ist eine andere als die Harlans, eine rein private, die niemals Ideologie werden könnte. Auch Pabst wandert auf den Spuren der Romantiker, aber seine Welt von Eros und Thanatos ist aufgeladen von den Ideen Freuds ... die Geheimnisse einer Seele, die sich nicht entschlüsseln, aber in Kinobilder von atemberaubender Kostbarkeit gießen lassen.

Ich suche dich (O.W. Fischer, 1955/56)
Der besessene, der zynische, der verzweifelt suchende Arzt Dr. Paul Venner ist letztlich die Rolle O.W. Fischers. Immer wieder hat er diesen Typus gespielt, zwielichtige Charaktere, Misanthropen, die erlöst und gerettet werden wollen, meist durch das Opfer einer Frau. Das Muster war in aller Klarheit schon in Rudolf Jugerts "Ein Herz spielt falsch"ausgearbeitet (übrigens auch ein Film, der weitaus mehr Beachtung verdient, als ihm bisher zu Teil geworden ist, aber das nur nebenbei). Fischer hat es dann immer wieder übernommen und variiert, aber niemals in dieser Radikalität wie hier. Alles steuert auf die große Explosion und das reinigende Feuer hin ... das reine filmische Delirium, das man nur lieben oder hassen kann.

In einem Jahr mit 13 Monden (Rainer Werner Fassbinder, 1978)
Einen Fassbinder-Film auszuwählen, ist aus meiner Sicht eigentlich unmöglich. Ich hätte auch die ganze Top Ten nur mit Filmen dieses enfant terrible des deutschen Kinos füllen können. Sein Werk hat so viele Facetten, dass die Beschränkung auf einen Film immer nur ein Kompromiss sein kann. Und gerade das macht die Passionsgeschichte der Elvira Weishaupt zur perfekten Wahl für diese Liste. Dieses moderne Stationendrama, das sich in seiner Struktur an die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Mysterienspiele anlehnt, ist schon dank seines episodischen Aufbaus mehr als nur ein Film. Jede Station dieses bundesrepublikanischen Totentanzes durch Frankfurt am Main, diese schnöde Wirklichkeit gewordene Dystopie einer Stadt, spiegelt eine Facette von Fassbinders Werk. So ist "In einem Jahr mit 13 Monden" zugleich zärtlich und brutal, barock und asketisch, taumelnd und kontrolliert, zutiefst komisch und herzzerreißend tragisch.

Das Gold der Liebe (Eckhart Schmidt, 1982/83)
Ein Taumel durch eine Nacht, die Suche eines Mädchen nach dem Gral, dem "Gold der Liebe". Schillerndes New Wave Kino, ganz aus dem Geist der Musik geboren. Eckhart Schmidts Bilder einer Nacht, die immer zugleich Sehnsuchtsphantasie und Alptraum ist, sind einzigartig im deutschen Kino, in ihrer Flüchtigkeit unendlich kostbar und so berauschend wie Absinth. Einen Film lang scheint die Möglichkeit eines ganz anderen, eines durch und durch poetischen Kinos auf. Das ist natürlich ein Versprechen, das niemand halten kann, auch Eckhart Schmidt nicht (aber das ändert nichts an der Größe dieses  filmischen Solitär noch an dem Reichtum und der Kraft seines übrigen Werkes).

Von heute auf morgen (Danièle Huillet und Jean-Marie Straub, 1996/97)
Ein Kontrapunkt zu all den überhitzten, dem Tod entgegen laufenden Melodramen in dieser Liste. Arnold Schönbergs Oper in einem Akt bewegt sich irgendwo zwischen Freud und Neuer Sachlichkeit. Das bürgerliche Paar, das im Lauf einer Nacht auseinander treibt und am nächsten Morgen beim Frühstück wieder zu sich findet, steht in eine Linie mit den Figuren aus Arthur Schnitzlers "Traumnovelle" und G.W. Pabsts Stummfilm "Abwege". Am Ende ist es so, als sei nichts geschehen und alles wieder in Ordnung. Doch so einfach ist es nicht. Anders als "Moses und Aron", ihre erste große Verfilmung einer Schönberg Oper, haben Danièle Huillet und Jean-Marie Straub diesen Einakter komplett in einem Fernsehstudio gedreht, vom Orchester live begleitet. Daraus ist ein Meisterwerk filmischer Präzision entstanden. Wie in Schönbergs Partitur ist alles ganz klar und geordnet, aber unter Oberfläche brodelt es: Ein Film wie eine Obduktion am Körper der bürgerlichen Gesellschaft.

Nachmittag (Angela Schanelec, 2006/07)
Dass ich dieser ins zeitgenössische Milieu der Berliner Republik verlegten Adaption von Anton Tschechows "Die Möwe" den Vorzug vor "Marseille" gegebe, hat rein persönliche, autobiographische Gründe. Mit "Nachmittag" schließt sich ein Kreis, der für mich in den frühen 90er Jahren in Bochum am Schauspielhaus seinen Anfang genommen hatte. Damals war Angela Schanelec die Nina, Tschechows Möwe, in einer Inszenierung von Jürgen Gosch. Nun spielt sie selbst die Irina, die gealterte Schauspielerin, die Diva, die nur noch zerstören kann. Dabei schwingt so viel an Geschichte, ihrer eigenen wie der des Theaters und des Kinos, mit, dass ich einfach nur überwältigt bin. Von allen Regisseurinnen und Regisseuren der so genannten Berliner Schule ist Angela Schanelec sowieso die radikalste. Ihr Kino, das ganz ohne alles Theatralische auskommt, ist ohne das Theater nicht denkbar. In bis kleinste Detail komponierten Einstellungen schafft sie eine Wirklichkeit, die ganz natürlich und doch ganz Kunst ist. Wenn am Ende in der Ferne ein Schuss fällt, die Tragödie eines Sohnes vorbei ist und die Komödie des Lebens ungerührt weitergeht, ist das ein grandioser Schlusspunkt, und das nicht nur für diesen Film ... kein Wunder, das mit "Orly" ein neues Kapitel begonnen hat.

Donnerstag, 31. März 2011

Viktor und Viktoria (Reinhold Schünzel, 1933)

"Als Reinhold Schünzels musikalische Komödie im Dezember 1933 uraufgeführt wurde, war sie eigentlich schon ein Anachronismus. Ihr wundervoller ironischer Unterton und dieses sich in immer irrwitzigere Höhen steigernde Spiel mit Geschlechterrollen und -Identitäten hatten ihren Ursprung unverkennbar im Kino und im Leben der Weimarer Republik und mussten den neuen Machthabern zumindest suspekt sein. Aber sein Schöpfer, der Schauspieler und Regisseur Reinhold Schünzel, genoss trotz seines jüdischen Glaubens in den ersten Jahren des Dritten Reichs die Gunst Hitlers und konnte mit Sondergenehmigungen weiter für die Ufa arbeiten. Um sich irgendwie über Wasser zu halten, tritt der erfolglose Schauspieler Viktor Hempel in einem Kabarett als „Monsieur Viktoria“ auf. Als er plötzlich keinen Ton mehr herausbringt, bittet er die glücklose Sängerin Susanne Lohr um Hilfe. Sie springt ein und wird zu einer Sensation. Nur gefällt ihr die Rolle des Mannes, der eine Frau imitiert, eigentlich gar nicht. Aber Erfolge fordern nun einmal ihren Tribut, und so verstricken sich die beiden armen Künstler in immer abstruseren Situationen, aus denen sie schließlich nur die Wahrheit und ein erneuter Rollentausch retten können."
(aus: Michael Kohler / Sascha Westphal: "Die 50 besten Filmkomödien ... und die DVDs, die Sie haben müssen", Bertz + Fischer Verlag)

Satansbraten (Rainer Werner Fassbinder, 1976)

"Als diese bitterböse Groteske über den alltäglichen Irrsinn des bundesrepublikanischen Kunst- und Kulturbetriebs 1976 uraufgeführt wurde, wurde sie sofort zu einem Skandalon. Mit diesem wüst überzeichneten Porträt des egomanischen Lyrikers Walter Kranz, der sich innerhalb weniger Jahre vom gefeierten Dichter der Revolution in ein menschenverachtendes Ungeheuer verwandelt und sich dann auch noch zum Widergänger Stefan Georges erklärt, war Rainer Werner Fassbinder – zumindest aus Sicht der damaligen Öffentlichkeit – mehr als nur einen Schritt zu weit gegangen. Das von Allmachtsphantasien erfüllte und von unzähligen Neurosen deformierte Monstrum Kranz, das Kurt Raab so kongenial verkörpert, war offensichtlich zu nah dran an einer Gesellschaft, die gerade alles daran setzte, das Rad der Zeit so weit wie nur eben möglich zurückzudrehen. Natürlich hat Fassbinder seinerzeit einfach nur seiner Wut und seiner Verzweiflung freien Lauf gelassen, und natürlich hat er es dabei übertrieben. Nur in diesem satirischen Zerrspiegel konnte sich das wahre Gesicht Deutschlands Mitte der 70er Jahre offenbaren."


(aus: Michael Kohler / Sascha Westphal: "Die 50 besten Filmkomödien ... und die DVDs, die Sie haben müssen", Bertz + Fischer Verlag)

Allotria (Willi Forst, 1936)

"Ein vergessener und übersehener Film eines ganz großen, aber vergessenen und übersehenen Kinokünstlers. Für ein paar Jahre, bevor der Anschluss endgültig alle Träume von einem anderen Österreich zunichte machte, war Willi Forst der ungekrönte König des von Musik wie von Weltläufigkeit erfüllten „Wiener Films“. Er konnte sich zwar auch nach 1938 treu bleiben, aber sein Kino wurde unter den Trümmer des Zweiten Weltkriegs begraben und ist bis heute nicht angemessen geborgen worden Selbst bei seinen Ausflügen in die schon ganz von den Nationalsozialisten kontrollierte deutsche Filmindustrie, zu denen auch diese Komödie der Irrungen gehört, hat Willi Forst keinerlei Kompromisse gemacht. Adolf Wohlbrück und Heinz Rühmann sind Philipp und David, zwei beste Freunde, die geschworen haben, sich niemals in die gleiche Frau zu verlieben. Doch dann spielt das Schicksal ihnen einen Streich. Im Vorspann drehen sich die Namen der vier Stars des Films wie ein Karussell immer schneller und schneller im Kreis. So wird es auch Philipp, David und den beiden Frauen ihres Herzens ergehen. Die Liebe spielt Blinde Kuh mit den Menschen, und wenn am Ende doch noch alles gut geht, dann ist das wie in Shakespeares romantischen Komödien eher Zufall, ein vielleicht auch unverdientes Geschenk des Glücks."
(aus: Michael Kohler / Sascha Westphal: "Die 50 besten Filmkomödien ... und die DVDs, die Sie haben müssen", Bertz + Fischer Verlag)

Drei deutsche Komödien

Ich bin im Moment ganz überwältigt von den Wellen, die dieses Projekt und die Aktion deutscher Film schlagen. Damit stehe ich natürlich irgendwie in der Pflicht. Nur ist meine Zeit gegenwärtig etwas begrenzt, und es wird in den kommenden Wochen auch kaum besser. Trotzdem möchte ich wenigstens ein bisschen zu der Aktion beisteuern. Also habe ich mich zu einem Kompromiss entschlossen.

Vor etwa anderthalb Jahren ist im Bertz + Fischer Verlag der Band "Die 50 besten Filmkomödien" erschienen, den Michael Kohler und ich zusammen geschrieben haben (so viel Eigenwerbung sei mir an dieser Stelle gestattet :D). Unter die 50 besten Komödien hat es zwar nur eine deutsche Produktion, Reinhold Schünzels "Viktor und Viktoria", geschafft, aber jeder von uns durfte noch fünf weitere Komödien nennen, die uns besonders am Herzen liegen. So hatte ich die Gelegenheit, noch einmal zwei deutsche Filme, Willi Forsts "Allotria" und Rainer Werner Fassbinders "Satansbraten", vorzustellen. Diese drei Texte werde ich nun auch hier veröffentlichen.

Mittwoch, 30. März 2011

"Aktion deutscher Film"

Ich hatte es ja schon in meinem ersten Eintrag erwähnt. Dieses Blog gäbe es gar nicht, wenn nicht der Intergalaktische Affenmensch in seinem Blog zur Aktion deutscher Film aufgerufen hätte. Das war einfach eine Gelegenheit, die ich ergreifen musste. Im Endeffekt hätte ich diese Idee, einen Blog exklusiv für Kommentare zum deutschen Film, Fernsehen oder Kino spielt dabei keine Rolle (genauso wie letztlich auch in unserer Filmlandschaft), schon längst haben können. Schließlich lasse ich mich schon seit Jahren immer wieder quer durch unsere Filmgeschichte treiben, einfach nur so, ohne konkretes Ziel und meist auch ohne einen klaren Auftrag, der dann in einen Text münden würde. Insofern hätte ich viel früher mit dieser Sammlung von Gedankensplitter und Seheindrücken beginnen sollen ... mittlerweile ist schon vieles wieder in den Untiefen meines Gedächtnisses verschwunden. Doch so ist es nun einmal, auf die einfachsten, die ganz nahe liegenden Dinge kommt man von selbst gar nicht.

Angesichts der Idee hinter diesem Blog erübrigt sich eine allgemeine Liebeserklärung an den deutschen Film. Die wäre hier nur ein Pleonasmus. Allerdings legen der Intergalaktische Affenmensch und die anderen bisherigen Teilnehmer an dieser Aktion natürlich die Finger in eine offene Wunde, wenn sie auf das seltsame, meist von Desinteresse, wenn nicht gar Abscheu geprägte Verhältnis zahlreicher deutscher Kinoliebhaber zum deutschen Film verweisen. Warum haben es deutsche Filme hierzulande viel schwerer als etwa in Frankreich? Es gibt sicher viele Antwort auf diese Frage, und einige haben sich auch etwas mit dem grundsätzlichen Verhältnis der Deutschen und der Franzosen zum Film an sich zu tun. Cinephilie ist hier immer noch ein mehr oder weniger fremdes Konzept - davon zeugen nicht zuletzt die Programme der deutschen DVD-Verleiher ... auch wenn sich das eine oder andere Label in den letzten Jahren durchaus um die Aufarbeitung deutscher Filmgeschichte bemüht hat. Doch das alles scheint eher planlos und zufällig zu geschehen ... meist gebunden an den einen oder anderen berühmten Namen. Und genau da kann natürlich die Aktion deutscher Film ansetzen, indem sie neben das Bekannte das Vergessene, neben das mit Prädikat versehene Kunst- und Prestigeobjekt den obskuren Genrefilm stellt. Ich werde zumindest versuchen, das Meinige dazu beizutragen ... zunächst einmal mit dieser chronologisch sortierten Liste von zehn Lieblingsfilmen:


Zehn Filme aus gut sieben Jahrzehnten. Ein erster Anfang, mehr aber auch nicht. Keiner aus den 60er Jahren, keiner Rudolf Thome. Rolf Thiele fehlt genauso wie Roger Fritz, Helmut Käutner, Zbyněk Brynych und Oliver Storz. Die Lücken und Auslassungen erzählen mindestens genauso viel über die Kinogeschichte wie diese zehn Filme. Aber gut, diese Beschränkung ist nun einmal Teil des Spiels.

Segen und Fluch der Spontaneität

Ich habe nicht die geringste Ahnung, wohin mich dieses Projekt führen wird. Ich weiß nicht einmal, ob es angesichts all meiner anderen Verpflichtungen überhaupt Sinn macht, nun damit zu beginnen. Doch nachdem ich heute auf die "Aktion deutscher Film" (alles weitere dazu hiergestoßen bin, konnte ich der Versuchung einfach nicht widerstehen.

Der deutsche Film hat immer schon einen ganz besonderen Reiz auf mich ausgeübt. Gerade die unterschätzten oder schlicht ignorierten Phasen des deutschen Film- und Kinogeschichte haben mich immer wieder in ihren Bann gezogen. Der so oft geschmähte Film der 50er Jahre war eben nicht nur "Opas Kino" ... im Gegenteil: Gerade in den Jahren nach dem Krieg, als das Wirtschaftswunder seinen Anfang nahm, scheint beinahe alles möglich gewesen zu sein. Wer das Glück hatte, 1997 in der G.W. Pabst-Retrospektive der Berlinale dessen Spätwerk zu sehen, weiß, wovon ich hier spreche. Filme wie Geheimnisvolle Tiefe, Das Bekenntnis der Ina Kahr oder sein mehr als nur bizarrer Schwanengesang Durch die Wälder, durch die Auen eröffnen einen anderen Blick auf eine Zeit, die mehr verdient als nur Klischees und Vorurteile.

Aber es sind nicht nur die 50er Jahre, die es gilt, wieder- oder auch gleich neu zu entdecken. Der deutsche oder genauer noch der deutschsprachige Film hat in jedem Jahrzehnt bemerkenswerte, übersehene und vergessene Werke hervorgebracht. Zu einigen von ihnen werde ich hier in Zukunft die eine oder andere Anmerkung veröffentlichen...